Friedlinde Gurr-Hirsch fordert stärkere Förderung der Kulturlandschaft

Von den ca. 27.000 Hektar Weinbauflächen in Baden-Württemberg entfallen etwa 7.000 Hektar auf Steillagen mit einer Hangneigung über 30 Prozent. Hiervon sind ca. 1.200 Hektar Steilst- und Terrassenlagen. „Diese Weinbauflächen prägen gerade im Mittleren Neckarraum eine einzigartige Kulturlandschaft mit atemberaubenden Anblicken“, begründet Friedlinde Gurr-Hirsch ihr Engagement für den Terrassenweinbau. Deshalb habe sie den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Peter Bleser, zu einer Fachveranstaltung eingeladen. Auch der weinbaupolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Arnulf Freiherr von Eyb MdL, ließ es sich nicht nehmen, bei dieser wichtigen Veranstaltung dabei zu sein. Die Herausforderung bei den Steil- und Terrassenlagen sei nämlich, dass sie nur durch reine Handarbeit und damit mit dem drei- bis vierfachen Aufwand als reguläre Lagen bewirtschaftet werden können. „Diese Flächen stellen zudem wichtige Biotope dar, in denen vielfältige Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum finden“, schilderte die ehemalige Agrarstaatssekretärin Gurr-Hirsch die weitreichende Bedeutung des Terrassenweinbaus.

Den Auftakt der Veranstaltung bildete eine Begehung der Terrassenlagen der Lauffener Winzer. Die Teilnehmer konnten vor Ort Eindrücke sammeln und bei einer Fahrt mit der sogenannten Monorack-Bahn den Nervenkitzel der alltäglichen Arbeit in den Steillagen erleben – hier wurde auch deutlich, dass diese Bahn wertvolle Dienste für die Weingärtner leistet. Im Anschluss kamen die Gäste aus Weinbaubetrieben, Verbänden, Politik und Verwaltung in den Räumen der Lauffener Weingärtnergenossenschaft zusammen.

Die CDU-Abgeordnete Friedlinde Gurr-Hirsch ging auf die verschiedenen Möglichkeiten der Förderung von Steillagen ein, die bislang schon für Winzer und Gemeinden bestehen. So gibt es von der EU nach Hangneigung gestaffelte Direktleistungen für die Umstrukturierung von Rebflächen sowie einen erhöhten Bewirtschaftungszuschuss für Steilstlagen. Daneben versucht das Land ebenso wie verschiedene Gemeinden über spezifische Programme, die Trockenmauern zu erhalten oder wiederherzustellen. Ein weiterer Anreiz für Winzer, sich verstärkt den Steillagen zuzuwenden, stellen neue Anbauregeln ab 2016 dar. Neupflanzungsanträge aus Steillagen sollen dann gegenüber Anträgen aus flachen Lagen bevorzugt werden. Diese Maßnahmen, so Friedlinde Gurr-Hirsch, seien zwar eine Erleichterung für die Betriebe, die Steillagen bewirtschaften. Die Förderungen gelten jedoch fast ausschließlich für Investitionen wie Trockenmauern. Die etwas höhere Bewirtschaftungsprämie für Steillagen gleiche den enormen Mehraufwand bei der Bewirtschaftung jedoch keinesfalls aus: „Man muss als Winzer schon sehr viel Idealismus besitzen, um sich nicht von der Steillage zu verabschieden.“

Gurr-Hirsch zeigte den Teilnehmern drei Wege auf, deren Umsetzung ihrer Überzeugung nach erhebliche Entlastungen für die Winzer bringen. So fordert sie den Bund auf, im Bundesnaturschutzgesetz die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, für die Bewirtschaftung der Terrassenweinberge Ökopunkte zu sammeln und einen entsprechenden finanziellen Ausgleich dafür in Anspruch zu nehmen. Schließlich bleibe die ökologische Wertigkeit der Terrassen- und Steillagen nur erhalten, wenn die Flächen auch bewirtschaftet werden und nicht brach liegen. Gurr-Hirsch sieht als weitere Maßnahme, die auf Bundesebene umgesetzt werden könne, eine eigene Förderschiene für den Steillagenweinbau in der „Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz“ (GAK) zu verankern. Dadurch könnten weitere Zuschüsse für die Bewirtschaftung dieser arbeitsintensiven Flächen mit extremen Bedingungen für die Winzer gewährt werden. Schließlich erinnerte die CDU-Politikerin daran, dass sie als damalige Agrarstaatssekretärin bei der „Versammlung der Weinbauregionen Europas (AREV)“ einen Beschluss herbeigeführt hatte, die Bewirtschaftung von Steillagen vermehrt über EU-Fördermittel zu honorieren. Bislang sei jedoch noch nichts geschehen. Der Beschluss werde dieser Tage erneut in Brüssel vorgelegt. Friedlinde Gurr-Hirsch fordert die Europapolitiker auf, diesem Beschluss endlich Rechnung zu tragen.

In seinem Vortrag ging der Parlamentarische Staatssekretär Peter Bleser darauf ein, welches bislang noch wenig ausgeschöpfte Potential sich aus der Verbindung von Weinbau und Tourismus ergeben kann. Er sagte zu, Friedlinde Gurr-Hirschs Vorschläge und Forderungen für die Arbeit im Bundesministerium zu prüfen.

Ohne die Steilstlagen mit ihren faszinierenden Terrassenformationen wäre unsere Region in vielerlei Hinsicht ärmer. Deshalb sollten wir gemeinsam weiter daran arbeiten, dieses Stück Heimat zu erhalten“ waren sich die Abgeordneten Gurr-Hirsch und Freiherr von Eyb am Ende der Veranstaltung einig.

 
 
Powered by Phoca Gallery
December 2017
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31